Die Stillzeit ist für viele Mütter eine ganz besondere Zeit. Wie haben unsere Hebamme Larissa Kaspar, die selbst auch Mama ist, unter anderem gefragt, wie sie ihre eigene Stillzeit erlebt hat.
Ihre eigene Stillzeit hat sie als etwas sehr Verbindendes mit ihrem Kind erlebt. Es hatte viel mit Emotionen und Gefühlen zu tun, mit vielen Höhen und manchmal auch schwierigen Momenten. Denn die Gefühlslagen, die man als Stillende erlebt, sind oft unerwartet und intensiv. Das gilt sowohl für die ersten Tage und Wochen mit dem Neugeborenen als auch für später, wenn sich die Stillbeziehung nochmal verändert, wenn etwa abgestillt wird oder die Beikost eingeführt wird.
Nicht jede Stillbeziehung verläuft problemlos
Stillen kann eine wunderbare Zeit für Mama und Kind sein, kann viel Verbindung und Nähe schaffen. Es gibt allerdings auch verschiedene Gründe, weswegen es mit dem Stillen mal nicht klappen kann, dann geraten frischgebackene Mamas häufig unter Druck. Hier sei aber gesagt, dass Nähe, Verbindung und Bindung nicht allein durch das Stillen entstehen, sondern auch durch viel Haut – und Körperkontakt, liebevolles Tragen und Halten – auch beim Fläschchen geben.
Zum Druck, den sich die Mütter häufig schon selbst machen, kommt dann noch der Druck aus dem sozialen Umfeld, beispielsweise durch ungefragte Ratschläge von Freundinnen oder Tipps älterer Generationen. Auch die Sozialen Medien sorgen mit idealisierten Vorstellungen vom Stillen für Druck, da die Realität häufig ganz anders aussieht. Klappt das Stillen dann nicht so wie erhofft, fühlen sie sich hilflos und unter Druck gesetzt und das Stillen will dann erst recht nicht mehr funktionieren.
Individuelle Stillberatungen oder Stillworkshops
Wenn es Probleme beim Anlegen oder mit wunden Brustwarzen gibt oder die Milch nicht recht ins Fließen kommen mag, können Hebamme oder Stillberaterin helfen und unterstützen, gemeinsam nach der richtigen Stillposition und Anlegetechnik schauen und auf jeden Fall Ruhe verschaffen und Druck rausnehmen. So kann individuell auf die Stillende und ihr Baby eingegangen werden.
Schon in der Schwangerschaft gibt es die Möglichkeit, Stillworkshops zu besuchen. Dort wird aktuelles Wissen praxisnah vermittelt, offene Fragen werden geklärt und zudem können die werdenden Mamas ins Gespräch kommen und sich austauschen.
Wertvolle Inhaltsstoffe des Kolostrums
Direkt nach der Geburt steht schon das Kolostrum, die sogenannte Erstmilch zur Verfügung, das schon in der Schwangerschaft gebildet wird. Es enthält viele wichtige Inhaltsstoffe, u.a. Proteine, Immunglobuline, Vitamine und Mineralstoffe. Dieses Kolostrum bekommen die Neugeborenen schon bei den ersten Anlegeversuchen.
Unterstützung der Stillenden
Gleichzeitig ist auch die Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld der Mutter von hoher Bedeutung. Denn zum Stillen gehören nicht nur die Mutter und das Kind, sondern auch Partner, Familie und Freunde sind eine wertvolle Unterstützung für die Stillende.
Damit ist aber nicht etwa gemeint, der Mutter das Kind aus der Hand zu nehmen. Nein, es geht darum der Mutter den Rücken freizuhalten, indem praktische Unterstützung, wie etwa das Kochen einer nährenden Mahlzeit, Wäsche waschen oder Einkaufen abgenommen wird.
Denn Wochenbett bedeutet, dass die Mutter und ihr Neugeborenes diese Zeit vor allem im Bett, am Bett und ums Bett verbringen und von ihren Liebsten umsorgt werden.
Zum Stillen braucht man Energie
Stillen kostet Energie. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, aber auch protein- und kohlenhydratreichen Bestandteilen ist in dieser Zeit besonders wichtig. Unsere Hebamme empfiehlt außerdem kräftigende Suppen, die Wärme und Energie geben und helfen, wieder zu Kräften zu kommen. Der Nährstoffbedarf ist in der Stillzeit nämlich erhöht. Auch die Flüssigkeitszufuhr sollte nicht zu kurz kommen – am besten stellt man sich Snacks und eine große Flasche Wasser bereit.
Was unsere Hebamme jeder (werdenden) Mutter ans Herz legen möchte
Nach den intensiven Erfahrungen einer Geburt brauchen sowohl die Mutter als auch das Neugeborene vor allem Ruhe, Nähe und Zeit, um sich kennenzulernen.
Wichtig ist für unsere Hebamme außerdem, den Frauen mitzugeben, dass alle Gefühle, die da sind, auch gefühlt werden dürfen und ihre Berechtigung haben.
Denn das Wochenbett ist eine Zeit, in der die Mutter und ihr Neugeborenes gemeinsam lernen und wachsen. Denn nicht nur das Neugeborene muss sich an die neue Situation gewöhnen, auch das Leben der Mutter wurde auf den Kopf gestellt. Auch sie hat das Recht alles zu lernen und in ihre neue Rolle hineinzuwachsen.
Buchtipps
• Die Hebammen-Sprechstunde von Ingeborg Stadelmann
• Das Stillbuch von Hannah Lothrop
• Stillstart von Clara Steinbrück