Sommerzeit ist Draußenzeit: Kinder spielen, toben und entdecken die Welt. Doch mit Sonne, Hitze und Natur kommen auch typische Herausforderungen wie Schürfwunden, Insektenstiche, Sonnenbrand oder Zeckenbisse.
Dr. med. Nadine Scheff, Kinder- und Jugendärztin mit den Zusatzbezeichnungen Homöopathie und Naturheilverfahren, erklärt, worauf Eltern achten sollten und wie sie ihre Kinder im Sommer gut schützen und im Ernstfall richtig reagieren.
Welche typischen gesundheitlichen Herausforderungen begegnen Ihnen in der Praxis im Sommer besonders häufig?
Im Sommer sehe ich vor allem Hautprobleme: Schürfwunden, Sonnenbrände, Insektenstiche und auch entzündete Stellen. Außerdem spielen Zeckenstiche eine Rolle. Nicht zu unterschätzen sind auch Kreislaufprobleme durch Hitze, gerade bei kleineren Kindern, die ihren Flüssigkeitsbedarf noch nicht gut selbst regulieren.
Schürfwunden gehören beim Spielen oft dazu: Wann ist eine Wunde harmlos und wann sollten Eltern genauer hinschauen oder ärztlichen Rat einholen?
Die meisten Schürfwunden sind harmlos und heilen gut ab, wenn sie gereinigt und desinfiziert werden. Wichtig ist: Die Wunde sollte sauber sein und nicht stark bluten.
Ärztlich abklären sollte man:
- tiefe oder stark verschmutzte Wunden
- wenn die Wunde klafft
- bei anhaltender Blutung
- wenn sich Rötung, Schwellung oder Eiter entwickeln
Auch bei Unsicherheit bezüglich des Tetanusschutzes bitten wir um einen Kontakt.
Insektenstiche sind im Sommer allgegenwärtig: Gibt es wirksame Möglichkeiten, Kinder vor Stichen zu schützen? Und was hilft im Akutfall zuverlässig gegen Juckreiz und Schwellung?
Vorbeugend helfen helle und möglichst lange Kleidung. Je nach Alter können Insektenschutzmittel eingesetzt werden, wobei ich hier diejenigen mit pflanzlichem Wirkstoff vorziehe (z.B. Citronella-Rosengeranie Hautspray). Insektenschutzgitter vor den Fenstern schützen bzw. die Fenster geschlossen halten, wenn es draußen dunkel und drinnen hell ist, denn ansonsten werden Insekten angelockt.
Im Akutfall bewähren sich Kühlen (z. B. mit einem feuchten Tuch oder Quarkwickel), juckreizlindernde Gele oder Cremes (es gibt hierfür praktische Roll-on`s mit pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Lavendel und Teebaumöl). Bei stärkeren Reaktionen geben wir manchmal auch antiallergische Medikamente, behandeln aber grundsätzlich auch gerne homöopathisch.
Wichtiger Tipp: Kratzen vermeiden, da sonst Infektionen entstehen können.
Zeckenstiche bereiten vielen Eltern Sorgen: Welche vorbeugenden Maßnahmen sind sinnvoll? Was ist im Falle eines Zeckenstiche konkret zu tun und wann sollte man ärztliche Hilfe suchen?
Vorbeugend hilft geschlossene Kleidung im Wald und im hohen Gras. Der Körper sollte nach dem Aufenthalt in der Natur gründlich abgesucht werden. Es können je nach Alter auch ggf. Repellents verwendet werden.
Wenn eine Zecke entdeckt wird, sollte diese so schnell wie möglich entfernt werden (mit Pinzette oder Zeckenkarte). Nachfolgend wird die Stelle desinfiziert und für 4 Wochen beobachtet.
Zum Arzt sollte man gehen, wenn sich eine Wanderröte entwickelt (kreisrunde Rötung um die Stichstelle), grippeähnliche Symptome auftreten oder Unsicherheit bei der Entfernung bestehen.
Sonne und Hitze können für Kinder schnell belastend werden: Wie können Eltern effektiv vorbeugen? Woran erkennen sie Überhitzung oder Sonnenbrand und wie sollten sie dann reagieren?
Vorbeugung ist hier entscheidend: direkte Sonne, besonders mittags, vermeiden, an entsprechenden Sonnenschutz denken (Kleidung, Hut, Sonnencreme) und ausreichend trinken.
Warnzeichen für eine Überhitzung sind Müdigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen sowie heiße und gerötete Haut.
Sonnenbrand erkennt man an geröteter, schmerzhafter Haut, im schlimmsten Fall können sogar Brandblasen vorliegen.
Maßnahmen, die wir bei (drohendem) Sonnenbrand empfehlen können sind: sofortiges aus der Sonne gehen, kühlen, viel trinken und bei stärkeren Beschwerden ärztlich vorstellen.
Was gehört Ihrer Meinung nach in eine gut ausgestattete Sommer-Haus- oder Reiseapotheke für Kinder?
Eine sinnvolle Sommerapotheke enthält: Wunddesinfektionsmittel, Pflaster und sterile Kompressen, Fieberthermometer, altersgerechtes Schmerz- und Fiebermittel, sterile Kochsalzlösung, Engelwurzbalsam und Thymian Myrte Balsam, Elektrolytlösung, ggf. Insektenschutzmittel, Zeckenkarte oder Pinzette, kühlendes Gel (z. B. bei Stichen oder Sonnenbrand), idealerweise eine homöopathische Hausapotheke mit den häufigsten bewährten Arzneien.
Welche drei wichtigsten Tipps möchten Sie Eltern mitgeben, damit ihre Kinder gesund und gut geschützt durch den Sommer kommen?
- Sonnenschutz ist kein Extra, sondern Pflicht – Kleidung, Schatten und Creme gehören zusammen. Mittagshitze vermeiden.
- Kinder brauchen mehr Flüssigkeit als man denkt – regelmäßig etwas zu trinken anbieten.
- Gelassen bleiben, aber aufmerksam sein – die meisten Sommerprobleme sind harmlos, sollten aber gut beobachtet und ggf. ärztlich abgeklärt werden.
Zur Person:
Frau Dr. Nadine Scheff ist Kinder- und Jugendärztin mit den Zusatzbezeichnungen Homöopathie und Naturheilverfahren. Nach Ihrem Studium in Münster und Heidelberg arbeitete sie als Kinderärztin unter anderem am Universitätsklinikum Würzburg und im St. Franziskushospital in Münster. Sie ist in Münster in eigener Praxis tätig und legt bei ihrer Arbeit viel Wert auf einen ganzheitlichen Blick auf das Kind und die Familie.